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Glyptothek

Saal der Eirene

Sammlung antiker Skulpturen
Werke der späten Klassik

Meisterwerke griechischer und römischer Skulptur

Ich habe viel Herzblut in die Aufnahmen gesteckt und freue mich, wenn für den archäologisch Interessierten und/oder Liebhaber antiker Kunst, diese „Artikel“ Anklang finden.

Im Vergleich zu den früh- und hochklassischen Werken (Saal des Diomedes) greifen die Statuen aus der späteren Phase der Klassik (4. Jh. v. Chr.) nun freier in den Raum aus. Gleichzeitig wird das strenge Maß, das die Gestalten des 5. Jahrhunderts geformt hatte, aufgelockert. Als eine wichtige thematische Neuerung kommt mit der berühmten Knidischen Aphrodite des Praxiteles um 350 v. Chr. die Darstellung des nackten weiblichen Körpers hinzu.

Bei den Skulpturen des späten 5. Jahrhunderts v. Chr. hatten die Künstler das klassische Standmotiv des Kontrapostes mit seiner fein ausbalancierten Gewichtsverlagerung zwischen Ober- und Unterkörper vielfach überspitzt. Scharfe Knickungen und Windungen im Rumpf sowie ins Extreme gesteigerte Richtungswechsel waren das Resultat. Gegenüber Figuren aus dieser Zeit fällt bei Statuen des 4. Jhr. wie dem „öleingießenden Athleten“ die große körperliche Wucht auf. Das Spielbein steht nur mehr leicht seitlich und setzt mit der ganzen Sohle auf. Weil das Standbein wieder gerade aufgerichtet ist und nicht zur Seite ausschwingt, entsteht eine starke vertikale Einheit. Die Breite in den Schultern wie auch das beruhigte Standmotiv erinnern gleichermaßen an Bildwerke des Strengen Stils aus dem frühen 5. Jahrhundert.

Völlig neu ist schließlich, dass die Figur mit ihrer Aktion, mit den ausgreifenden Armen erstmals einen Raum um den Körper umschreibt. In der verlorenen, ehemals erhobenen Rechten hielt der junge Mann ein kleines Gefäß, aus dem er Salböl in seine linke Hand goss. Es handelt sich um einen Athleten, der seinen Körper vor dem Wettkampf einsalbt. Das originale griechische Standbild aus der Zeit um 360 v.Chr. war wohl von einem siegreichen Sportler in ein Heiligtum geweiht worden.

Ähnliche Tendenzen wie hier kann man auch an weiblichen Statuen erkennen, deren Gewänder häufig wieder aus schweren Stoffen bestehen und die Körper mit ihren mächtigen Faltenzügen fast vollständig verhüllen: Als die Athener in der Zeit um 370 v. Chr. für Eirene, die Personifikation des Friedens, einen Kult auf der Agora, dem städtischen markt- und Versammlungsplatz, einrichteten, wählten sie für das Bild der Göttin den seit frühklassischer Zeit gewohnten Typus einer in schwere Gewänder gehüllte Muttergottheit wie Hera oder Demeter. Eirene wendet sich nicht ihren menschlichen Verehrern zu, sondern schenkt ihre volle Aufmerksamkeit dem Knaben Plutos in ihrem Arm, der den Reichtum verkörpert. Die Aussage des Bildes ist: Frieden bringt Reichtum hervor.

Die ganz der Tradition verhaftete Konzeption der Eirenenstatuestammt von dem attischen Bildhauer Kephisodot. Dessen Sohn Praxiteles sorgte wenige Jahrzehnte später für eine Revolution des griechischen Götter- und Menschenbildes. Für ein Aphrodite-Heiligtum im kleinasiatischen Knidos schuf er mit einem nackten Bildnis der Liebesgöttin den ersten weiblichen Akt in der antiken Großplastik (258): Aphrodite ist gerade dem bad entstiegen, bedeckt mit einer hand ihre Scham und greift mit der anderen nach ihrem Gewand. Auch sie scheint in ihre eigene Welt entrückt und tritt nicht in Kontakt mit dem Betrachter. Dem ist hier erlaubt, etwas an sich Verbotenes zu tun, wenn er die Göttin in ihrer Nacktheit erblickt.

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