„HÄNGENDER MARSYAS“
Mädchenkopf aus einer Statuengruppe
MÄDCHENKOPF
„FAUN MIT DEN FLECKEN“

Der Hellenismus

Der Hellenismus (3.-1. Jh. v. Chr. ) strebte anders als die Klassik nicht mehr danach, Idealbilder menschlich-physischer Vollkommenheit zu schaffen. Es ging nun um Lebensnähe, man suchte nach dem Besonderen, nach dem Komischen oder gar Hässlichen. Außer hellenistischen Werken sieht man in diesem Saal zahlreiche römische Reliefs – neben der Porträtkunst ein weiteres Feld, auf dem die Römer in besonderer Weise zu brillieren verstanden.

Die Epoche des „Hellenismus“ beginnt mit dem Tod Alexanders des Großen im Jahr 323 vor Christus. In Folge der Eroberungen Alexanders verbreiteten sich griechisches Denken und griechische Kultur über beinahe die gesamte damals bekannte Welt. Sie erfassten nun auch andere Völker, die die griechische Sprache, aber auch die Kunst, Philosophie, Wissenschaft, Religion und Mythologie der Griechen aufnahmen. Umgekehrt öffneten sich die Griechen in der Fremde jetzt auch noch stärker fremden Einflüssen. Die hellenistische Zeit reicht bis zur endgültigen Eroberung der gesamten griechischen Staatenwelt durch die Römer im 1. Jahrhundert vor Christus.

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Bildimpressionen aus der Glyptothek. Alle Fotos © Janka Heissinger (Janka4Travel).
Texte entnommen den Hinweistafeln der Glyptothek.

Im Hellenismus verlieren die formalen Normen an Bedeutung für die Künstler, die jetzt direkt aus der Fülle des Lebens schöpfen. In der Epoche der griechischen Klassik standen noch Aufbau, Funktionalität und Gliederung des menschlichen Körpers im Zentrum künstlerischer Gestaltung. Man suchte nach physisch idealen Körpern. Seit dem 3. Jahrhundert vor Christus wandte man sich dagegen dem Individuellen und Besonderen zu.

Auch Unvollkommenheit wurde fortan dargestellt: alte Menschen (437), Kinder (268), Kranke und Krüppel. Der Mensch ist nun vielgestaltig. Zudem warfen die Künstler jetzt auch einen Blick hinter die äußerliche Fassade. Psychische Zustände wurden akribisch herausgearbeitet: Trunkenheit (437), Erregung, Freude, Lust und Leid (280). Gleichzeitig wurden an den Haut— und Gewandpartien der Figuren alle Möglichkeiten stofflicher Wiedergabe in Marmor und Bronze ausgereizt.

Saal des Apollon

Im Menü findest du alle Museen und Ausstellungen, die wir besuchten und zu denen ich einen Artikel geschrieben habe.

Der Saal verdankt seinen Namen einer Kolossalstatue des Apoll, dem so genannten Barberinischen Apoll. Sie zeigt den Gott mit einer Kithara in der linken Hand, in der nicht mehr erhaltenen Hand hielt er vermutlich eine Schale. Der Gott wirkt weiblich, er ähnelt somit den Musen, die ihn begleiten.

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Bildimpressionen aus der Glyptothek. Alle Fotos © Janka Heissinger (Janka4Travel).
Texte entnommen den Hinweistafeln der Glyptothek.

Römische Sarkophage

Die Skulptur der römischen Kaiserzeit erwächst aus dem Hellenismus und nimmt sich vor allem die griechische Klassik zum verbindlichen Vorbild. Eine besondere Blüte erreicht sie auf dem Gebiet der Reliefkunst. Das zeigt sich etwa an den vielfigurigen Bildfeldern aufwendiger Marmorsarkophage, in denen wohlhabende Familien der römischen Oberschicht ihre Toten seit dem Beginn des 2. Jahrhunderts nach Christus mit Vorliebe beisetzen ließen. Stadtrömische Sarkophage haben die simple Grundform von langgestreckten Kästen, die durch einen Deckel verschlossen werden.
Sie standen meist innerhalb von Grabbauten in Nekropolen, sogenannten „Totenstädten“, ent|ang der Ausfallstraßen Roms. Ihre Reliefs waren ursprünglich bunt bemalt, wodurch die ohnehin eindrückliche Wirkung der Bildfriese noch gesteigert wurde.

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Bildimpressionen aus der Glyptothek. Alle Fotos © Janka Heissinger (Janka4Travel).
Texte entnommen den Hinweistafeln der Glyptothek.

Die Darstellungen auf römischen Sarkophagen greifen oft Themen aus dem griechischen Mythos auf: Neben Szenen aus dem Leben des Wein- und Rauschgottes Dionysos (223, 240 und 365), von dem man sich Erlösung und ein seliges Jenseits erhoffte, waren auch Episoden beliebt, die sich mit dem Thema menschlicher Schuld und Sühne beschäftigten — so etwa, wenn der Orestmythos (363) oder die Niobesage (345) ins BiId gesetzt wurden: Der mykenische Königssohn Orest tötete seine Mutter Klytämnestra, um deren Mord an seinem Vater Agamemnon zu rächen. Deshalb wurde er von Rachegöttinnen, den Erinyen, verfolgt. Entsühnen konnte er sich erst dadurch, dass er ein Kultbild der Göttin Artemis aus dem Land der wilden Taurer nach Griechenland zurückbrachte.

Niobe hingegen, die Königin der Stadt Theben in Griechenland, prah|te gegenuber der Göttin Leto, dass sie selbst 14 Kinder habe, Leto dagegen nur zwei. Die Kinder der Göttin, Artemis und Apoll, nahmen daraufhin grausame Rache für diese Hybris der Niobe. Sie töteten deren sieben Söhne und sieben Töchter.

Die Glyptothek München

Der prächtige Kunsttempel beherbergt griechische und römische Skulpturen wie den berühmten "Barberinischen Faun" oder die "Trunkene Alte".

Die Säle der Glyptothek

Welche Ausstellungen wir besucht haben