Museum Ägyptischer Kunst München – Raum Nubien und Sudan

Es waren die Goldvorkommen der nubischen Wüste, die das Land für den großen Nachbarn im Norden so interessant machten; vermutlich leitet sich sein Name vom altägyptischen nub = Gold ab. Vielfältig sind die afrikanischen Einflüsse, die sich vor allem in der Frühphase Altägyptens aufspüren lassen: Rituale, Aussehen uns Wesenszüge einzelner Gottheiten, die gleichrangige Stellung der Frau wurden vom Sudan angeregt und beeinflusst.

Nubien vermittelt zwischen Ostafrika, der Wiege der Menschheit, in der die menschliche Evolution einen ihrer Höhepunkte findet. Letztendlich wird damit auch die Verbindung Europas mit Afrika thematisiert.

Das Königreich von Meroe

Gegen 300 v. Chr. ist es vermutlich zu einem Wechsel in der Führungsschicht des Reiches von Napata gekommen. Nach griechischer Überlieferung soll König Ergamenes den Einfluß der Amun-Priester gebrochen haben; er verlegt die königliche Nekropole von Nuri nach Meroe, wo zuvor bereits Mitglieder der königlichen Familie bestattet worden waren.
Neben den Tempeln für ägyptische Gottheiten wie den Amun-Tempeln von Meroe und Naga werden nun auch Heiligtümer für einheimische Götter wie den löwenköpfigen Apedemak in Musawwarat es-Sufra und Naga erbaut.

Dem Reich von Meroe steht in Ägypten zunächst das Ptolemäer-Reich nach der Eroberung des Landes durch Alexander den Großen (332 v. Chr.) gegenüber, später wird es eine Randkultur des römischen Imperiums. Um 275 v. Chr. erobert Ptolemaios II. Unternubien und sendet Erkundungs- und Tierfangexpeditionen weiter nach Süden. Ein Aufstand in Oberägypten (204-185 v. Chr.) bringt das Reich wieder in den Besitz von Unternubien einschließlich der Insel Philae, dem Zentrum des Isis-Kultes, der für Ägypter und Meroiten von großer Bedeutung war. Nach der Eroberung Ägyptens durch Augustus (31 v. Chr.) dringen römische Truppen im Jahr 24 v. Chr. bis nach Napata vor, in der Folge wird jedoch ein für Meroe günstiger Frieden geschlossen und Unternubien wird als Pufferzone zwischen Meroe und Rom aufgeteilt.

Der Blick auf den antiken Sudan erweitert und verändert das traditionelle Bild der Geschichte des Niltals, das ganz vom Alten Ägypten geprägt ist.

Nubien, das Gebiet zwischen dem 1. Katarakt im Norden und dem Zusammenfluß von Weißem und Blauen Nil im Süden – wo heute die moderne Hauptstadt des Landes, Khartoum, liegt, – stand stets im Schatten des Pharaonenreiches, von dem es in einigen Epochen beherrscht wurde. Ein wichtiger Grund hierfür ist sicher in der Schriftlosigkeit der nubischen Kulturen zu finden, die erst im 2. Jahrhundert v. Chr. eine eigene Schrift entwickelt haben; vorher verwendete man die ägyptischen Hieroglyphen.

Diesem Schicksal einer Geringschätzung begegnete Nubien ein zweites Mal in der Neuzeit: Die Ägyptologie als von ihrer Wissenschaftsgeschichte her gesehen philologisch geprägtes Fach folgte gewissermaßen dem Urteil der alten Ägypter und interessierte sich nur am Rande für das antike Nubien. Die Eigenständigkeit seiner Kulturen wurde einerseits gering geachtet oder sogar übersehen; die Einbindung Ägyptens in den schwarzafrikanischen Kulturkreis ist andererseits bislang kaum Gegenstand wissenschaftlicher Forschung gewesen.

Neolithische Kulturen

Nach jüngsten Grabungsergebnissen gehen die vorgeschichtlichen Kulturen des Sudan denen Ägyptens zeitlich voran, existierte im Süden eine hochstehende Keramikproduktion mehrere Jahrhunderte vor vergleichbaren Entwicklungen in Ägypten. Bislang weitgehend unbekannte Beispiele dieser qualitätvollen Ware, die als Grabbeigaben verwendet wurden, stehen am Beginn dieser Ausstellung. In Bereich der Keramik wird Nubien über die Jahrtausende hinweg Ägypten überlegen bleiben..

Am Anfang steht das Khartum-Neolithikum, meist nach seinem Hauptfundort südlich des 6. Kataraktes es-Schaheinab benannt. Die Funde reichen bis in das 6. Jahrtausend hinauf. Weitere wichtige Fundplätze sind das frühneolithische (5. Jahrtausend v. Chr.) Kadero, am nördlichen Stadtrand von Khartum gelegen, dem sich in der ersten Hälfte des 4. Jahrtausends v. Chr. el-Kadada in der Gegend von Shendi, etwa 180 Kilometer nilabwärts, anschließt. Parallel dazu konzentrieren sich in den letzten Jahren die Untersuchungen im Norden bei Kadruka unterhalb des 3. Kataraktes. Im Jahr 2006 wurden in unmittelbarer Umgebung von Kerma sogar Scherben aus spätpaläolithischer Zeit, aus dem 10.-9. Jahrtausend v. Chr., gefunden.

Bildrechte & Texte

Bildimpressionen aus dem Museum Ägyptischer Kunst  in München
Alle Fotos © Janka Heißinger

Beschreibung der Exponate und Eingangstexte übernommen den Hinweistafeln im Museum, © SMAEK

Das Münchner Buch der Ägyptischen Kunst
Ägyptisches Museum und Papyrussammlung im Neuen Museum: 100 Meisterwerke

Letzte Aktualisierung am 20.02.2019 um 20:29 Uhr / Affiliate Links / Bilder von der Amazon Product Advertising API