Meeresmuseum Stralsund – Tiefsee

Die Tiefsee ist der letzte, noch fast unbekannte Lebensraum unserer Erde. Erst der Einsatz aufwendiger Tauch- und Videotechnik ermöglichte vorsichtig tastende Reisen in die tiefen Ozeanbecken. Sie brachten Berichte und Bilder aus einer fremden, aber faszinierenden anderen Wunderwelt des Meeres.

Oasen der Tiefsee

Auf dem Meeresboden sind Walkadaver wie Oasen in der Wüste. Für Jahrzehnte bieten sie Nahrung und Lebensraum für mehr als 200 Tierarten. Angelockt vom Verwesungsgeruch finden Haie, Schleimaale und Krebse den Kadaver, Asseln und Schnecken folgen. Zum Schluß verwerten Muscheln, Würmer und Bakterien das Fett in den Knochen.

Knochen vom Pottwal: Sinkt ein toter Wal zum Meeresboden, lockt der intensive Verwesungsgeruch Tiere aus nah und fern zum üppigen Mahl.
Gefleckte Meersau: Diese ungewöhnlich aussehenden Haie ernähren sich von Aas fressenden Seeigeln, Seesternen und Würmern.
Nordische Steinkrabben – Rote Reinigungskolonne! Die ewig hungrigen Allesfresser gehören zum putzenden Personal. Sie fressen vor allem wirbellose Tiere.

Höllenvampir

Der Tintenfisch Vampyroteuthis infernalis lebt in Tiefen bis zu 1 000 Metern. Wörtlich übersetzt lautet sein lateinischer Name „Vampir-Tintenfisch aus der Hölle“. Spannt er die Häute zwischen seinen acht Armen auf, geben sie ihm das Aussehen eines Vampirs. Er hat bläulich schimmernde, sehr große Augen und an den Enden seiner Fangarme Lichtorgane, die an Krallen erinnern. Feinde verwirrt er mit kurzzeitig ausgesandten Lichtsignalen oder Wolken aus leuchtender „Tinte“.



Tiefseefische

Diese zwei originalen Tiefseefische gingen als Beifang der DDR-Fischereifangflotte in 8 00 bis 4 000 Metern Tiefe ins Netz.

Funkeln im Dunkeln

In die Tiefsee dringt kein Sonnenlicht – trotzdem ist sie nicht absolut dunkel. Überall blitzt, blinkt und leuchtet es. So locken Tiere Beute an, täuschen Fressfeinde oder senden Signale an Artgenossen. Viele Organismen erzeugen mit Leuchtorganen ihr eigenes Licht. Ein besonders helles Licht produzieren bei einigen Arten Leuchtbakterien.

Schwarzer Drachenfisch (Malacosteus niger)
Dieser Tiefseefisch geht mit besonderen „Suchscheinwerfern“ auf Beutefang: Aus den Lichtzellen unterhalb seiner Augen sendet er rotes Licht aus, das für seine beute nicht sichtbar ist. So bemerken die Opfer gar nicht, dass sie verfolgt werden.

Schwarzer Anglerfisch (Melanocetus johnsonii)
Mit ihrer hell leuchtenden Köder-Attrappe an der beweglichen Angel lockt das Weibchen Beutetiere wie Krebse oder Fische an.
Das Männchen bleibt deutlich kleiner und zeitlebens freischwimmend. Sein ausgeprägter Geruchssinn leitet es zum Weibchen.
Modell 4-fach vergrößert, Leihgabe Lokschuppen Rosenheim

Bildimpressionen aus der Ausstellung „Tiefsee“ Meeresmuseum Stralsund – ein kleiner Auszug.
Alle Fotos © J.Heißinger – Beschreibung der Exponate übernommen den Hinweistafeln der Ausstellung.

Steckbrief Tiefsee

– erstreckt sich über 62 % der Erdoberfläche
– es herrschen Dunkelheit, Kälte und enorm hoher Druck
– ab etwa 200 Metern beginnt die Dämmerlichtzone
– ab etwa 1000 Metern beginnt die Tiefsee
– die riesigen Tiefsee-Ebenen liegen zwischen 3 000 und 5 500 Metern Wassertiefe
– die durchschnittliche Tiefe der Ozeane beträgt 3 800 Meter
– der Meeresboden ist durchzogen von mächtigen Gebirgen und tiefen Gräben – die Mittelozeanischen Rücken bilden mit 70 000 Kilometern Länge das größte Gebirge der Erde – die tiefste Stelle der Erde, das Challenger-Tief, befindet sich im Marianengraben in 11 034 Metern Tiefe