Für Plexiglas GS verwendet man am besten „flüssiges Plexiglas“, einen 2-Komponenten-Polymerisationsklebstoff. Dieser ist wie flüssiges Plexiglas und eignet sich auch für großflächigere Stumpfverklebungen, Flächenverklebungen und Kehlnaht. Hiermit werden auch die Aquarien fugenfüllend verklebt, so dass man die Klebenähte nach der Politur nicht mehr sehen kann. Dass Becken wirkt dadurch wie aus einem Guss.
Besonders schön wirkt das, wenn man die Ränder in Gehrung zugeschnitten hat. Hier hat man auch eine größere Klebefläche und damit auch eine höhere Festigkeit. Bei der Klebung von Flächen, die auf Gehrung geschnitten sind, darf der Kleber nicht zu schnell aufgetragen werden, sonst wird die darunter liegende Luft eingeschlossen und kann nicht entweichen.

Umformen # Warmformen

Plexiglasplatten lassen sich unter Temperatureinwirkung gut umformen.
Die Umformtemperatur beträgt bei XT ca. 150° und bei GS ca. 160°. Zum Erhitzen eignen sich diverse haushaltsübliche Hilfsmittel. Für ein gezieltes Abkanten oder linienförmiges biegen, z.B. für Aufsteller oder Halter, kann man z.B. einen Heizstab, Heizdraht, eine teilweise abgedeckte IR-Heizlampe oder aber auch eine Herdplatte, die mit temperaturbeständigen Material so präpariert wird, dass ein offener Mittelstreifen frei bleibt, verwenden. Die Platte lässt sich an der erhitzten Stelle in die gewünschte Form biegen und härtet nach Abkühlung schnell wieder aus. Dieser Vorgang kann bei Nichtgefallen auch wiederholt und korrigiert werden. Auch kann man ganze Plattenzuschnitte komplett erwärmen. Beim Aquariumbauer werden mit dieser Methode z.B. Rundbecken oder Panoramascheiben geformt.

Ist die Plexiglasplatte erst einmal warm, dann kann man diese auf eine vorbereitete Form legen (vorbereitet = Schablone z.B. aus biegsamen Spanplatten gefertigt und mit Handschuhstoff oder ähnlichem überzogen, damit es keine Holzmaserungen auf dem Plexiglas gibt) und diese dann solange fixieren, bis das Material auf ca. 60°C runter gekühlt ist. Lässt sich die Platte nur mit Kraftaufwand in der richtigen Position fixieren, dann muss die Platte noch mal in den Ofen bzw. erwärmt werden, da die optimale Temperatur wohl doch noch nicht erreicht wurde.

Backe backe Plexiglasbecken

Auch ein soweit fertiges Plexiglasbecken kommt noch einmal in den „Ofen“, um hier eine optimale Qualität zu erzielen.
Als Wärmequelle nutzt der Fachmann zur Erwärmung einen entsprechend großen Wärmeschrank, aber bei kleineren Werkstücken tut es auch ein Backofen oder eine Kochplatte mit aufgesetzter Aluplatte. Bei letzter Methode aber aufpassen, dass das Plexiglas nicht zu nah an der Heizplatte ist. Hier besser 1 cm Luft zwischen Herd und Aluplatte lassen und dickere Stücke auch beidseitig erwärmen.

Für kompliziertere „Projekte“ sollte man sich aber trotzdem an einen kunststofferfahrenen Betrieb wenden, der dann unter anderem auch mit Positiv- und Negativ-Formen arbeiten kann. Am Beispiel eines Rundbeckens, konnten wir teilweise live miterleben, wie 2 Platten erhitzt und als U geformt wurden. Die fertigen Platten wurden dann miteinander verklebt und so mit Spanngurten befestigt, dass sich ein Oval ergibt.
Die Klebenähte wurden mit dünnen Plexiglasstreifen jeweils unten und oben verstärkt und so getempert. Nach mehreren Verarbeitungsschritten, werden dann die Spanngurte entfernt und durch erneutes tempern verformt sich das Becken wie von selbst rund. Die Klebenähte werden dann noch sauber abgeschliffen und poliert, Boden und Randverstärkung dran geklebt und fertig ist das Rundbecken.

Die Sache mit dem Tempern

Risse oder Schäden bei Materialspannungen vermeiden

Beim „Tempern“ wird Plexiglas GS über einen längeren Zeitraum langsam erhitzt und anschließend noch langsamer und gleichmäßig wieder auf die Raumtemperatur angeglichen. Hierbei wird das Material von inneren oberflächlichen Spannungen befreit, die bei der Bearbeitung wie sägen oder bohren aufgetreten sein können.

Ohne tempern kann es dazu kommen, dass sich dauerhafte Materialspannungen aufbauen und die Oberfläche mit der Zeit reißt.
Es wird daher empfohlen, das Material vor einer Anwendung z.B. in einem Backofen/Umluftherd zu tempern, also von den Spannungen zu befreien.

Zum Erhitzen eignen sich diverse haushaltsübliche Hilfsmittel.
Herr Schuran formt mit einem Föhn ein Stück Plexiglas.

Bild Oben: Eine sog. Positiv-/Negativschablone zum Um- und Warmformen von Plexiglas
Bild Mitte: Ist die Plexiglasplatte erst einmal warm, dann kann man diese auf eine vorbereitete Form legen (vorbereitet = Schablone z.B. aus biegsamen Spanplatten gefertigt und mit Handschuhstoff oder ähnlichem überzogen, damit es keine Holzmaserungen auf dem Plexiglas gibt).
Bild Unten: Hier wird ein Aquarium im Ofen getempert und damit von den Spannungen befreit.