DIE URZEITLICHE WASSERWELT ERKUNDEN

Als die Dinosaurier die Erde beherrschten

Fotogalerie

Auf Fototour im Lokschuppen Rosenheim

Mosasaurier Tylosaurus proriger

Es gibt vermutlich nichts Fressbares, dass vor den Rachen der unersättlichen Mosasaurier sicher ist. In den versteinerten Gerippen von Tylosaurus-Exemplaren finden sich auch Reste von allerlei anderen Tierarten: von Fischen, Vögeln und selbst von Haien.

Tylosaurus zählt zu den grdBten Mosasauriern. Die Art Mosasaurus hoffmannii konnte sogar Längen von bis zu 17 Meter erreichen.

Foto © Janka Heissinger

Dinos, ich komme!

Ach, was war ich froh, als es endlich wieder losging im Lokschuppen Rosenheim. Auf diese Ausstellung hab ich mich wie ein Schnitzel gefreut. Die Giganten der Meere, Dinosaurier, meine Kindheit ward erweckt.

Schon als kleines Mädel hab ich mich für die Saurier interessiert und war in diversen Steinbrüchen unterwegs, um Ammoniten zu sammeln. Da ich in Ingolstadt aufgewachsen bin, waren Solnhofen und Eichstätt nicht weit weg.

AUFSTIEG UND NIEDERGANG DER MEERESREPTILIEN

Und nun packte ich meine Kamera ein und fuhr nach Rosenheim. Wie bei mir üblich, knipste ich die ganze Ausstellung ab und hab fleißig die Texttafeln übernommen, um meinem Beitrag Gewicht zu verleihen. Begleitet mich auf meinem Rundgang durch Trias, der Jura und -Kreidezeit, in die Welt der faszinierenden Meeresreptilien.
Mitte Oktober hatten wir einen ruhigen Tag erwischt, die Ausstellung war nicht so voll, wie sonst üblich. Ideale Voraussetzung, um die über 200 originale Fossilien, Skelette und Modelle zu fotografieren.
Die Originale stammen aus dem Senckenberg Naturmuseum Frankfurt, Jura-Museum Eichstätt, Paläontologische Sammlungen der Eberhard-Karls Universität Tübingen und der Bay. Staatssammlung für Paläontologie und Geologie, München.
Die Giganten der Meere sind noch bis Dezember 2020 im Lokschuppen Rosenheim zu sehen. Begleittexte entnommen den Info-Tafeln in der Ausstellung.

Als die Dinosaurier vor mehr als 230 Millionen Jahren den gesamten Globus an Land beherrschten, bevölkerten zur gleichen Zeit Saurier und viele andere Reptilien-Gruppen die Ozeane. Ein Klimawandel am Ende des Perm vor 252 Millionen Jahren hat fatale Folgen: Etwa 75 Prozent aller Landlebewesen sterben aus, im Meer sind es über 90 Prozent. Erst nach mehreren Millionen Jahren hat sich die Erde wieder erholt. Aus den Überlebenden entwickeln sich vielfältige Reptilienarten, die schrittweise in verschiedene Lebensräume vordringen, einige auch ins Meer. Aus ehemaligen Landtieren entwickeln sich erste Meeressaurier wie Pflasterzahnechsen, Fischsaurier, Nothosaurier und Plesiosaurier.

Ceratiten

Die Tintenfische der Trias

Ceratites meissnerianus © Janka Heissinger

Fangarme und schwimmende Gehäuse

Am Ende des Perm stirbt die artenreiche Tintenfischgruppe der Goniatiten restlos aus. An ihrer Stelle treten die Überlebenden einer anderen Tintenfischgruppe, die Ceratiten. Diese erreichen in der Folge eine große Artenvielfalt. Aber auch sie sterben am Ende der Trias aus und machen Platz für die Echten Ammoniten.

Erste Vorfahren der heutigen Tintenfische gibt es schon vor etwa 500 Millionen Jahren. Die Spuren ihrer vielfältigen Formen mit kalkigen Gehäusen finden wir heute noch als Versteinerungen. Viele Gruppen sterben bis zum Ende des Karbon vor etwa 3000 Millionen Jahren aus. Zu den Überlebenden gehören nautilusähnliche und ammonitenähnliche Formen und auch die gehäuselosen Belemniten. Aus ihnen geht im Lauf der Erdgeschichte wieder eine neue Formenvielfalt hervor.

WAS IST LOS IM TRIAS-MEER?

In der Trias bilden sich aus den Überlebenden der Katastrophe am Ende des Perm langsam neue Lebensgemeinschaften und -formen.
Schließlich tummeln sich im Meer nach einer umfangreichen Erholungsphase wieder unzählige Fische., aber auch die Vorläufer der Ammoniten, die sogenannten Ceratiten. Den Meeresboden teilen sich Krebstiere, Schnecken, Seelilien, Muscheln, Brachiopoden und Korallen.

Pflasterzahnechse

Placodus gigas – Ein ungelenker Geselle

Placodus gigas. Fundort: Steinfurt. Größe: bis 2,50 m, bis ca. 120 kg. Bay.Staatssammlung für Paläontologie und Geologie, München

Foto oben: Dies ist ein Abguss des weltweit einzigen komplett erhaltenen Skeletts eines Placodus gigas (Pflasterzahnechse). Sonst wurden bisher nur Zähne, Schädelreste, selten ganze Schädel entdeckt. Ohne diesen Fund wäre seine Gestalt bis heute völlig unbekannt! Dicht stehende Rippen und eine Kette rundlicher Hautverknöcherungen über den Wirbelvorsätzen verhindern seitliche Körperbiegungen. Placodus gigas ist kein guter Schwimmer. Unter Wasser paddelt er mit allen Vieren oder tappt über den Meeresgrund. Zur Eiablage gehen die Weibchen an Land. Placodus gigas. Fundort: Steinfurt. Größe: bis 2,50 m, bis ca. 120 kg. Bay.Staatssammlung für Paläontologie und Geologie, München

EIN MEER VON URTÜMLICHEN FISCHEN

95 Prozent unserer heutigen Fische sind Echte Knochenfische wie Forellen, Kabeljau, Rotbarsch usw. In den Trias-Meeren stehen sie aber erst ganz am Beginn ihrer Entwicklung. Noch herrschen andere primitivere Fischtypen. Neben Schmelzschuppern sind heute artenarme Gruppen wie Quastenflosser und Lungenfische auch recht häfig. Die Haie sind nach einer artenreichen Phase in der Trias zunächst seltener, bevor sie im Jura wieder häufiger werden.

Albertonia cupidinia, Schmelzschuppenfisch

Die Knochenfische der Trias sind noch recht primitiv. Sie tragen rhombenförmige Schuppen, deren äußere Schicht aus Ganoin besteht, einer sehr harten Substanz ähnlich unserem Zahnschmelz. Entwicklungstechnisch betrachtet, sind die Zähne der Fische und insofern auch unsere Zähne einst aus umgewandelten Schmelzschuppen entstanden.

Heute haben weniger als 20 Arten aus der Gruppe der Flösselhechte und Knochenhechte solche rhombischen Schmelzschuppen. 95 Prozent unserer heutigen Fische sind Echte Knochenfische wie Forellen, Kabeljau, Rotbarsch usw. In den Trias-Meeren stehen sie aber erst ganz am Beginn ihrer Entwicklung. Noch herrschen dort andere, primitivere Fischtypen vor.

Seelilie, Encrinus liliformis

Pflanze oder Tier?

Seelilien sind keine Pflanzen, sondern Tiere. Sie sind Verwandte der Seesterne und Seeigel. Wie diese haben sie ein Außenskelett aus Kalkplatten und leben ausschließlich im Meer. Seelilien gibt es mindestens seit 480 Millionen Jahren. Bis Ende des Erdaltertums vor 252 Millionen Jahren sind sie vielfältig mit rund 5.000 Arten vertreten. Seit der Trias existieren nur noch wenige Arten.

Die heutigen 25 Gattungen leben fast ausschließlich in der Tiefsee. Seelilien ernähren sich von Plankton. Mit unzähligen kleine fingerförmigen Anhängen an ihren Armen fangen und transportieren sie es in den Mund.
ENCRINUS, die „TULPE“ mit dem Kalkskelett – Der Kelch mit den Armen, in dessen Zentrum sich der Mund befindet, erinnert an eine ungeöffnete Tulpenblüte.

Fischsaurier – Reptilien mit Flossen

Erste Fischsaurier treten bereits zu Beginn der Trias vor fast 250 Millionen Jahren auf. Diese besitzen noch einen ochsenhaft langgestrickten Körper, haben aber anstelle von Beinen schon Flossen, die für eine Fortbewegung an Land ungeeignet sind. Wer ihre an Land lebenden Vorfahren sind, ist unbekannt. Schon im Verlauf der Trias entwickeln sich auch große Arten, darunter der riesige, bis zu 20 Meter lange Shonisaurus.

Pachypleurosaurier

PACHYPLEUROSAURIER

Versteinerte Pachypleurosaurier-Knochen finden sich in Europa besonders häufig im Grenzgebiet zwischen der Schweiz und Italien.
Namensgebung für diese kleinen „Dicke-Rippen-Echsen“ sind die breiten, massiven Rippen, die wie bei anderen Nothosauriern den Auftrieb im Wasser verringern und den Rumpf versteifen.

ABTAUCHEN MIT DICKEN RIPPEN

Verdickte Rippen kommen auch bei heutigen Meeressäugetieren, den Seekühen, vor. Hier haben sie dieselbe Wirkung.
Pachypleurosaurier. Original. Fundort: Italien. Größe: bis 100 cm, bis 20 kg. Paläontologische Sammlungen der Eberhard-Karls Universität Tübingen

Nothosaurier, Lariosaurus balsami

NOTHOSAURIER

Nothosaurier sind Meeresreptilien, die in den Küstenzonen der Trias-Meere in recht großer Artenzahl vorkommen. Kennzeichnend für Nothosaurier ist der langgestreckte schlanke Körper, dem man noch ansieht, dass sie von an Land lebenden eidechsenähnlichen Vorfahren abstammen.

ELEGANTE PADDLER

Mit Fingern, die mit einer Schwimmhaut verbunden sind, bewegen sie sich paddelnd unter Wasser fort. An Land kommen sie nicht mehr so gut voran. Nothosaurier gelten als Vorläufer der Plesiosaurier.
Nothosaurier Lariosaurus balsami: Skelett-Abguss, Fundort: Italien, Größe: bis 3 m, bis 80 kg, Paläontologische Sammlungen der Eberhard-Karls Universität Tübingen

Keichosaurier, Keichousaurus

KEICHOUSAURUS

Keichousaurus ist sozusagen die chinesische Version der europäischen „Dicke-Rippen-Echse“ Pachypleurosaurus. Fossilienfunde von Keichousaurus sind recht häufig, darunter nicht selten sogar komplette Skelette. Diese sind vergleichsweise klein.

DER FLINKE CHINESE

Zwei Funde von weiblichen Tieren mit Embryo-Skeletten in ihren Körpern bezeugen, dass Keichousaurier keine Eierleger sind, sondern ihre Jungen bis zur Geburt im Körper austragen. Das gilt vermutlich für alle Nothosaurier.
Keichosaurier. Original. Fundort: China. Größe: Bis 2,70 m, bis 90 kg. Bay. Staatssammlung für Paläontologie und Geologie, München

DAS AUF UND AB DER FISCHSAURIER

Gegen Ende der Trias hat die Fischsaurier-Vielfalt ihren Höhepunkt erreicht. Vermutlich sind es klimatische Veränderungen, die diese Vielfalt zu Beginn des Jura deutlich reduzieren. Jetzt sind es die kompakten, in der Körperform an Delphine erinnernden Arten, die das Rennen machen. Von diesen schaffen es wiederum nur wenige Arten bis in die Kreide. Schließlich sterben die Fischsaurier zu Beginn der Oberkreide restlos aus – lange vor dem Asteroideneinschlag, der den Dinosauriern den Garaus machte.

TRIAS

Unterwasserwelt

Liopleurodon

25 Meter lange Spitzenprädator

Paläoaquarium

Eine 50 Quadratmeter große Leinwand

DAS JURAMEER

Im Jura ist Europa eine Insellandschaft mitten in einem Flachmeer. Seine Unterwasserwelt bietet Möglichkeiten für eine Vielzahl von Meerestieren. Gute Bedingungen auch für Meeresreptilien: Kompakte Fischsaurier jagen schnell wie Delphine nach Fischen und Tintenfische; langschwänzige Krokodile machen die Küsten unsicher.
Die wahren Herrscher des Jurameers sind aber die Plesiosaurier. Schon in der Trias entstanden, entwickeln sie nun eine große Artenvielfalt, darunter bis zu 5 m große Monster.

Plesiosaurier Hydrorion brachypterygius

PLESIOSAURIER

Unter Plesiosauriern gibt es zwei verschieden Erscheinungsformen: Ein kurzer Hals und ein großer Schädel mit kräftigen Kiefern kennzeichnet die eine Gruppe. Zu diesen gefährlichen Raubtieren zählt auch Liopleurodon, der mit seinen dolchartigen Zähnen auch Meereskrokodile wie Pelagosaurus und Steneosaurus töten kann.

GROSSMÄULER UND LANGHÄLSE

Die anderen, wie Hydrorion, haben lange Hälse und kleine Köpfe. Ihre dünnen, stiftförmigen Zähne eignen sich zum Packen von kleineren Beutetieren wie Fische und Tintenfischen.
Links: Plesiosaurier-Schädel von Hydrorion brachypterygius. Fundort: England. Paläontologische Sammlungen der Eberhard-Karls Universität Tübingen

Liopleurodon

Während des Jura haben sich gefährliche Raubtiere wie Liopleurodon entwickelt. Aus ihren kräftigen Kiefer ragen bis zu 20 cm lange Zähne.

Knochenbrecher des Jurameeres

Trotz ihres gepanzerten Körpers sind selbst Meereskrokodile wie Steneosaurus dem knochenbrechenden Gebiss eines Liopleurodon wehrlos ausgeliefert.

Ein Exemplar der Art Pliosaurus funkei mit dem Beinamen Pretador X wird aufgrund seines 2 m langen Schädels auf eine Gesamt-Körperlänge von 15 m geschätzt. Ein weiterer fragmentarischer Fund, das „Monster von Aramberri“ könnte sogar 20 m erreicht haben.

Langstielige Lilie

SEIROCRINUS SUBANGULARIS

Krebs

Cycleryon

Haarstern

Saccocoma tenella

Temnodontosaurus

GEPANZERTE FISCHJÄGER

Die Knochenplatten entlang der Rücken von Krokodilen wirken wie ein dachartiges Tragwerk, das ihren Rumpf bei der Fortbewegung an Land stabilisiert. Das auch Pelagosaurus und Steneosaurus eine solche Panzerung haben, deutet darauf hin, dass diese Meeressaurier sich auch an Land aufhalten können.
Stärker aquatische Arten wie Metriorhynchus haben den zum Tragen des Körpers notwendigen Knochenpanzer völlig reduziert und gleiten nur noch zur Eiablage an Land.

Riese unter den Fischsauriern

Temnodontosaurus kann deutlich größer als Stenopterygius werden. Man geht davon aus, dass einige Arten his zu 12 m Länge erreichen können. Während Stenopteryglus kleineren Fischen und Tintenfischen nachjagt, kann Temnodontosaurus auch größere Meerestiere überwältigen. Seine riesigen, bis 20 cm großen Augen zeugen von einem guten Sehvermögen. Eine ringförmige Verknöcherung im Augapfel, der Skleralring hält die Form des Auges flach und beeinflusst damit die optischen Eigenschaften.

DIE URZEITLICHE WASSERWELT ERKUNDEN

Fotogalerie

Knochenfisch Aspidorhynchus sanzenbacheri

JURASSISCHER KRABBENCOCKTAIL

Wegen ihres kalkigen Außenskeletts bleiben Krebstiere häufig als Versteinerungen erhalten. In den Sollnhofener Plattenkalken finden sich etwa 40 fossile Krebsgattungen und ein Vielfaches an Arten.
Die hellen Gesteinsschichten des Weißen Jura bilden einen Zeitabschnitt des Jurameeres vor etwa 160 bis 150 Millionen Jahren ab. Für seine exzellent erhaltenen Fossilien weltberühmt ist der Solnhofener Plattenkalk.
In tieferen sauerstoffarmen Schichten der Lagunen ist der Salzgehalt zur damaligen Zeit sehr hoch, sodass tote Tiere an der Verwesung gehindert werden. In dem feinkörnigen Kalkstein bleiben sogar kleinste Details als Versteinerungen erhalten. Besonders zahlreich sind fossile Fische.

Bunte Vielfalt im Riff

Die hellen Gesteinsschichten des WeiBen Jura bilden einen Zeitabschnitt des Jurameeres vor etwa 160 bis 150 Millionen Jahren ab. Fur seine exzellent erhaltenen Fossilien weltberühmt ist der Solnhofener Plattenkalk. |n tieferen sauerstoffarmen Schichten der Lagunen ist der Salzgehalt zur damaligen Zeit sehr hoch, sodass tote Tiere an der Verwesung gehindert werden. In dem feinkörnigen Kalkstein bleiben sogar kleinste Detai|s als Versteinerungen erhalten. Besonders zahlreich sind fossile Fische.

Pfeilschwanzkrebs Mesolimulus walchi

PFEILSCHWANZKREBSE

Pfeilschwanzkrebse existieren fast unverändert seit mindestens 445 Millionen Jahren. Trotz ihrer äußeren Ähnlichkeit mit Krebsen werden sie nicht zu diesen, sondern besonders wegen ihrer Mundwerkzeuge in die Verwandtschaft der Spinnentiere gestellt.

FUTTER FÜR DIE SAURIER

Die Ablagerungen des sogenannten „Schwarz-Jura“ der Schwäbischen Alb repräsentieren das Meer vor etwa 180 Mio. Jahren. Neben den spektakulären Meeressauriern tummeln sich in dieser Zeitepoche zahlreiche andere Tiere in den Gewässern, vor allem unzählige Fische.
Neben Schmelzschuppen beginnen sich Echte Knochenfische wie Leptolepis auszubreiten. Aber auch Störartige und Haie treten stärker in Erscheinung. Manche Arten von ihnen werden bis zu drei Meter lang.

KREIDEZEIT

Kaum eine erdgeschichtliche Epoche bietet so viele Superlative wie die Kreide. An Land leben 80 Tonnen schwere Langhals-Dinosaurier und mit Tyrannosaurus rex und Co. die größten Landraubtiere aller Zeiten. Riesige Meeressaurier machen die See unsicher. Meeresschildkröten erreichen gigantische Ausmaße. Und selbst unter den Wirbellosen Tieren finden sich Kolosse wie Parapuzosia, der größte je gefundene Ammonit der Welt.

Riesenammonit Parapuzosia seppenradensis

AMMONITEN IM VORMARSCH

Im Jura beginnen sich die Ammoniten massiv zu verbreiten. In großer Artenvielfalt dringen sie in unterschiedliche marine Lebensräume vor.
Viele Arten eignen sich aufgrund ihres spezifischen zeitlichen Vorkommens als sogenannte Leitfossilien zur Datierung von Gesteinsschichten. In manchen Ablagerungen kommen die Gehäuse, dicht an dicht gedrängt, geradezu massenhaft vor. Mit der Katastrophe am Ende der Kreide nimmt diese enorme Verbreitungswelle aber ein jähes Ende. Die Ammoniten sterben restlos aus.

Riesenammonit Parapuzosia seppenradensis
Abguss. Fundort: Seppenrade. LWL – Museum für Naturkunde, Münster

Riesen-Krokodil Sarcosuchus imperator

SARCOSUCHUS

In der Oberkreide treten in den Süßgewässern riesige Krokodilformen auf. Unter ihnen ist auch Sarcosuchus, der Schrecken der Uferzone. Allein sein Schädel misst 1,80 Meter.

Der Schrecken der Uferzone

Die Opfer dieses Monsters sind Tiere, die von ihm an der Tränke überrascht und überwältigt werden, durchaus auch Dinosaurier.
Es wird vermutet, dass Sarcosuchus auch in die Küstengebiete vorgedrungen ist, so wie sein Verwandter, Dyrosaurus, 50 Millionen Jahre später.

Erste Krokodile haben sich gleichzeitig mit den Dinosauriern in der Trias an Land entwickelt. Im Jura gibt es nun auch Krokodilfarmen, die im Meer leben.
Von den Meereskrokodilen des Jura schafft es keine Art bis in die Kreide. Aber vom Süßwasser dringen immer wieder neue Krokodilarten Richtung Meer vor. Vor al|em sind es zahlreiche fischfressende Arten — ähnlich den heutigen Gavialen — die die Küstenbereiche erobern. Kreide-Krokodile verfügen über Salzdrüsen, die ihnen ermöglichen, mit dem Salzgehalt des Meerwassers umzugehen – eine Eigenschaft, die auch heutige Krokodilarten noch besitzen. Alligatoren übrigens nicht.

Schädel-Abguss von einem Riesen-Krokodil (Sarcosuchus imperator). Fundort: Niger, Größe: bis 12 m, bis 8.000 kg. Veranstaltung- und Kongress GmbH, Rosenheim

Riesen-Seeschildkröte Archelon ischyros

AUF AUGENHÖHE MIT DER RIESEN-SEESCHILDKRÖTE

Größer gehts nicht

Die kreidezeitlichen Meere sind die Heimat von Archelon, der größten Schildkröte aller Zeiten. Es ist kaum vorstellbar, dass sich die Tiere mit zwei Tonnen Gewicht zur Eiablage an Land schleppen müssen.
Durch diesen Umstand ist zumindest für weibliche Meeresschildkröten das Maximum an Größe vorgegeben. Diese XXL-Schildkröte ähnelt der heutigen Lederschildkröte, die sich von Quallen ernährt, was man auch von Archelon annehmen kann.

Riesen-Seeschildkröte (Archelon ischyros) im Modell. Größe: bis 4,70 m, bis 2.000 kg. Veranstaltung- und Kongress GmbH, Rosenheim. Sie ist der Vorfahr der heute noch existierenden, aber vom Aussterben bedrohten Lederschildkröte (Dermochelys coriacea).

LEDERSCHILDKRÖTE

DERMOCHELYS CORIACEA

SÄGEROCHEN

SCLERORHYNCHUS HIRAM

FOSSILE KATZENHAIE

Scyliorhinus

DIE FISCHE MIT DER SÄGE In der Kreide breitet sich ein Knorpelfisch-Typ aus, der sich schon im Jura aus bodenbewohnenden Haien entwickelt hat – der Rochen.
Dieser evolutionäre Verlauf lässt sich an den gezeigten Fossilien gut ablesen: Sägerochen besitzen noch eine gestreckte Körperform, sind aber schon sehr flach. Maul und Kiemen befinden sich auf der Unterseite. Mit dem Schwert am Kopf stöbern sie ihre Beute auf. Foto Mitte: Sägerochen SCLERORHYNCHUS HIRAM. Fundort: Libanon, Größe: bis 100 cm, Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseum, Frankfurt.
100 MIO. JAHRE FAST UNVERÄNDERT Während sich die Körperform und die Schwimmweise der Rochen im Verlauf der Erdgeschichte stark verändern, bleiben die Haie bei ihrem typischen Erscheinungsbild. Die heutigen Nachfahren der hier ausgestellten fossilen Katzenhaie sehen nach 100 Mio. Jahren im Grunde noch genauso aus wie ihre Vorfahren. So etwa der im Mittelmeer und in der Nordsee vorkommende Kleingefleckte Katzenhai. Foto rechts: Fossile Katzenhaie. Oben: Scyliorhinus, unten: Scyliorhinus elongatus. Fundorte: Libanon, Größe: bis 50 cm. Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseum, Frankfurt

Dactylioceras athleticum

Calamopleurus cylindricus

Basilosaurus Isis

VERBACKEN IM GESTEIN Im bayrischen Schlaifhausen finden sich Gesteinsschichten, die rein aus Dactylioceras-Gehäusen zu bestehen scheinen. Abertausende dieser Tiere sind hier vor 180 Millionen Jahren zu Tode gekommen. Es gibt Vermutungen, dass es sich bei solchen Massenansammlungen um einstige Laichplätze handelt, wo geschlechtsreife Tiere direkt nach dem Laichakt verstarben. Dactylioceras kommt weltweit vor und ist ein hervorragendes Leitfossil. Foto links: Dactylioceras athleticum: Fundort: Schlaifhausen, Bay. Staatssammlung für Paläontologie und Geologie, München.
TÖDLICHE GIER Wie es einem ergehen kann, wenn man den Mund zu voll nimmt, ist hier buchstäblich in Stein verewigt: Der 1,5 Meter lange Raubfisch hat wohl die Größe seiner Beute überschätzt, und so ist ihm der Bissen regelrecht im Hals steckengeblieben. Durch seine Gier in diese Kalamität geraten, verendet Calamopleurus schließlich und bleibt uns, selbst noch nach 120 Mio. Jahren als Fossil erhalten. Foto Mitte: Calamopleurus cylindricus Fundort: Brasilien. Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseum, Frankfurt.
WAL MIT BEINEN Basilosaurus-Fossilien wurden einst fälschlich für Überreste eines Sauriers gehalten, daher die verwirrende Namensendung –saurus. Dieser urtümliche Wal gehört zu den ältesten vollaquatischen Vertretern seiner Zunft. Er hat noch Hinterbeine, die aber viel zu klein sind, um sich damit noch an Land fortbewegen zu können. Die dreieckigen gezackten Zähne im hinteren Kieferbereich sind Relikte seiner landlebenden Vorfahren. Foto rechts: Basilosaurus Isis Schädel-Abguss. Fundort: Niger, Größe: bis 20 m, bis 10.000 kg. Veranstaltung- und Kongress GmbH, Rosenheim

Spinosaurier

Spinosaurier

DIE GROSSE KATASTROPHE – DAS ENDE DER SAURIER

EIN ASTEROID VERÄNDERT ALLES

Fotogalerie

Ein Asteroid von 10 km Durchmesser schlägt vor dem heutigen Mexiko auf der Erde ein. Giftige Staubwolken umhüllen den Planeten. Waldbrände wüten. Die Ökosysteme brechen zusammen mit schwerwiegenden Folgen für die Nahrungskette. Diesem Inferno und seinen Folgen fallen zwei Drittel der Arten zum Opfer.

Quastenflosser Axelrodichthys araripensiss

AUFSTIEG VOR DEM FALL

Selbst Quastenflosser verbreiten sich in der Kreide noch kräftig. Darunter auch große, bis zu vier Meter lange Arten wie Mawsonia, deren Fossilien in denselben Ablagerungen vorkommen, in denen Spinosaurier-Knochen gefunden werden.
Ähnlich groß ist auch der im Paläoaquarium umherschwirrende Megalocoelacanthus. Gegen diese Riesen wirkt Axelrodichthys klein. Am Ende der Kreide sterben die Quastenflosser bis auf zwei Arten aus.

Quastenflosser AXELRODICHTHYS ARARIPENSIS. Fundort: Libanon. Größe: bis 100 cm. Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseum, Frankfurt

Forscherdeck, Lokschuppen Rosenheim

GEWINNER UND VERLIERER

Nach der Katastrophe sind es vor allem die kleinen, sich schnell reproduzierenden Tierarten, die zuerst die leeren Lebensräume bevölkern. Erst danach entwickeln sich allmählich wieder Großtiere. Aber dann beherrschen nicht Saurier das Land, sondern Säugetiere. Sie besiedeln alle Lebensräume und dringen auch ins Meer vor. Erst nach 10 Mio. Jahren hat sich der Planet wieder voll erholt.Heute, 66 Mio. Jahre später, stehen wir wieder vor einem dramatischen Aussterben von Tierarten – vom Menschen verschuldet.

DAS ENDE MEINES RUNDGANGS BEI DEN GIGANTEN DER MEERE

Im „Forscherdeck“ endet mein Rundgang durch diese Ausstellung. Hier könnt ihr noch einen Blick auf die Arbeit rund um Saurier und die Forschung zu der Erde zu der damaligen Zeit werfen.
Diese Ausstellung war für mich sehr sehenswert. Der Blick auf Fossilien, die mehr als 250 Mio. Jahre alt sind – die Zahl muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen – und ich stehe jetzt vor ihnen, fotografiere und lese etwas über sie, einfach unbeschreiblich. Ich kann die Ausstellung nur jedem ans Herz legen, der Interesse an prähistorischen Tieren hat.
Danke für Euer Interesse an diesem, doch etwas umfangreichen Artikel.

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