DIE URZEITLICHE WASSERWELT ERKUNDEN

Als die Dinosaurier die Erde beherrschten

Auf Fototour im Lokschuppen Rosenheim

Mosasaurier Tylosaurus proriger

Es gibt vermutlich nichts Fressbares, dass vor den Rachen der unersättlichen Mosasaurier sicher ist. In den versteinerten Gerippen von Tylosaurus-Exemplaren finden sich auch Reste von allerlei anderen Tierarten: von Fischen, Vögeln und selbst von Haien.

Tylosaurus zählt zu den grdBten Mosasauriern. Die Art Mosasaurus hoffmannii konnte sogar Längen von bis zu 17 Meter erreichen.

Foto © Janka Heissinger

Dinos, ich komme!

Ach, was war ich froh, als es endlich wieder losging im Lokschuppen Rosenheim. Auf diese Ausstellung hab ich mich wie ein Schnitzel gefreut. Die Giganten der Meere, Dinosaurier, meine Kindheit ward erweckt.

Schon als kleines Mädel hab ich mich für die Saurier interessiert und war in diversen Steinbrüchen unterwegs, um Ammoniten zu sammeln. Da ich in Ingolstadt aufgewachsen bin, waren Solnhofen und Eichstätt nicht weit weg.

AUFSTIEG UND NIEDERGANG DER MEERESREPTILIEN

Und nun packte ich meine Kamera ein und fuhr nach Rosenheim. Wie bei mir üblich, knipste ich die ganze Ausstellung ab und hab fleißig die Texttafeln übernommen, um meinem Beitrag Gewicht zu verleihen. Begleitet mich auf meinem Rundgang durch Trias, der Jura und -Kreidezeit, in die Welt der faszinierenden Meeresreptilien.
Mitte Oktober hatten wir einen ruhigen Tag erwischt, die Ausstellung war nicht so voll, wie sonst üblich. Ideale Voraussetzung, um die über 200 originale Fossilien, Skelette und Modelle zu fotografieren.
Die Originale stammen aus dem Senckenberg Naturmuseum Frankfurt, Jura-Museum Eichstätt, Paläontologische Sammlungen der Eberhard-Karls Universität Tübingen und der Bay. Staatssammlung für Paläontologie und Geologie, München.
Die Giganten der Meere sind noch bis Dezember 2020 im Lokschuppen Rosenheim zu sehen. Begleittexte entnommen den Info-Tafeln in der Ausstellung.

Als die Dinosaurier vor mehr als 230 Millionen Jahren den gesamten Globus an Land beherrschten, bevölkerten zur gleichen Zeit Saurier und viele andere Reptilien-Gruppen die Ozeane. Ein Klimawandel am Ende des Perm vor 252 Millionen Jahren hat fatale Folgen: Etwa 75 Prozent aller Landlebewesen sterben aus, im Meer sind es über 90 Prozent. Erst nach mehreren Millionen Jahren hat sich die Erde wieder erholt. Aus den Überlebenden entwickeln sich vielfältige Reptilienarten, die schrittweise in verschiedene Lebensräume vordringen, einige auch ins Meer. Aus ehemaligen Landtieren entwickeln sich erste Meeressaurier wie Pflasterzahnechsen, Fischsaurier, Nothosaurier und Plesiosaurier.

Ceratiten

Die Tintenfische der Trias

Ceratites meissnerianus © Janka Heissinger

Fangarme und schwimmende Gehäuse

Am Ende des Perm stirbt die artenreiche Tintenfischgruppe der Goniatiten restlos aus. An ihrer Stelle treten die Überlebenden einer anderen Tintenfischgruppe, die Ceratiten. Diese erreichen in der Folge eine große Artenvielfalt. Aber auch sie sterben am Ende der Trias aus und machen Platz für die Echten Ammoniten.

Erste Vorfahren der heutigen Tintenfische gibt es schon vor etwa 500 Millionen Jahren. Die Spuren ihrer vielfältigen Formen mit kalkigen Gehäusen finden wir heute noch als Versteinerungen. Viele Gruppen sterben bis zum Ende des Karbon vor etwa 3000 Millionen Jahren aus. Zu den Überlebenden gehören nautilusähnliche und ammonitenähnliche Formen und auch die gehäuselosen Belemniten. Aus ihnen geht im Lauf der Erdgeschichte wieder eine neue Formenvielfalt hervor.

WAS IST LOS IM TRIAS-MEER?

In der Trias bilden sich aus den Überlebenden der Katastrophe am Ende des Perm langsam neue Lebensgemeinschaften und -formen.
Schließlich tummeln sich im Meer nach einer umfangreichen Erholungsphase wieder unzählige Fische., aber auch die Vorläufer der Ammoniten, die sogenannten Ceratiten. Den Meeresboden teilen sich Krebstiere, Schnecken, Seelilien, Muscheln, Brachiopoden und Korallen.

Pflasterzahnechse

Placodus gigas – Ein ungelenker Geselle

Placodus gigas. Fundort: Steinfurt. Größe: bis 2,50 m, bis ca. 120 kg. Bay.Staatssammlung für Paläontologie und Geologie, München

Foto oben: Dies ist ein Abguss des weltweit einzigen komplett erhaltenen Skeletts eines Placodus gigas (Pflasterzahnechse). Sonst wurden bisher nur Zähne, Schädelreste, selten ganze Schädel entdeckt. Ohne diesen Fund wäre seine Gestalt bis heute völlig unbekannt! Dicht stehende Rippen und eine Kette rundlicher Hautverknöcherungen über den Wirbelvorsätzen verhindern seitliche Körperbiegungen. Placodus gigas ist kein guter Schwimmer. Unter Wasser paddelt er mit allen Vieren oder tappt über den Meeresgrund. Zur Eiablage gehen die Weibchen an Land. Placodus gigas. Fundort: Steinfurt. Größe: bis 2,50 m, bis ca. 120 kg. Bay.Staatssammlung für Paläontologie und Geologie, München